Selve Zeitung 3. Ausgabe, September 1996

Inhalt / Impression
Inhaltverzeichnis

Hey Folks!
Hey Folks!
Selve-Menschen
M.ega G.eile S.chuhe
DJ-Special
Energy/Streetparade 1996
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3600 Thun

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033 233 111

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Thomas Weber

Hey Folks!
    Hey Folks!

    Schon ist der Sommer beinahe vorbei - die letzten Akkorde bei den Open-Air-Festivals sind verstummt - die letzten Reste aus der Tube Sonnencrème gequetscht. Viel hatten wir geplant; für diese erste nachsommerliche Ausgabe der SELVE, hatten wir doch gut drei Wochen länger Zeit als sonst. Doch wie das Leben so spielt, hat die grosse sommerliche Hitze auch bei der Redaktion ihre Spuren hinterlassen, und ihre Körper- und Hirntätigkeit zeitweise ausser Gefecht gesetzt. Somit ist natürlich die zusätzliche Zeit im Nu verstrichen, und die gewohnte Hektik gegen Redaktionsschluss wieder eingekehrt. - Über die Artikel in diesem Heft gibt es nicht viel zu sagen, sie sprechen für sich selbst. Einige von Euch werden vermutlich sich oder andere, auf dem Titelbild wiedererkennen (Heftausgabe). So unterschiedlich und bunt gemischt wie das Volk, welches im Selve-Areal im Ausgang ist, werden hoffentlich auch unsere Beiträge sein. Wer den Plan in dieser Ausgabe vermisst, dem kann bereits in der Oktober-Ausgabe geholfen werden. Wir sind daran, diese Seite neu zu gestalten: Besserer Überblick, mehr Infos und Ausgangstips! Wir haben bemerkt, dass in der Selve massenhaft interessante Leute ihr Unwesen treiben. Seien es KünstlerInnen, MusikerInnen, GeschäftsinhaberInnen oder ganz gewöhnlich arbeitendes Volk, das tagtäglich das Selve-Areal belebt. Wir wollen in der SELVE versuchen, Euch diese Leute näher zu bringen. Falls Ihr Tips und Anregungen habt, meldet Euch bei der Redaktion. Auch Leute, die gerne einmal einen Artikel beisteuern wollen, sind sehr willkommen. Meldet Euch!!!!!!!!

    Die Redaktion!

Selve-Menschen
    M.ega G.eile S.chuhe

    Ideen haben viele, längst nicht alle setzten sie um - Cornelia hat ihre durchgezogen: Für den Laden, den sie auf dem Selve-Areal eröffnet hat, jettet sie sporadisch ins Ausland, um neue Modelle zusammenzukaufen. Das Sortiment reicht von Plateau-Schuhen bis zu High-Heels , von technoiden bis zu klassischen Paaren. Auf bescheidenem Raum sind stolze 16 Marken vertreten, wobei vor allem Namen wie "Read or Dead", "Buffalo", "New Rock" oder "Inch Blue" Insidern ein Begriff sein dürften. Manche Treter, wie den "Getta Grip", hat sie fest im Sortiment. Bei Exklusiveren Modellen dagegen führt sie pro Grösse nur 2 Paare, was zwar bei Herstellern oft Probleme macht, ihre Kundschaft aber um so mehr zu schätzen weiss. Man trägt halt nicht gern, womit jeder rumrennt - gerade in einem Provinz-Städtchen wie Thun, in dem die "Szene" nicht sehr weitläufig ist. Wie Cornelia erzählt, mögen ihre Käufer besonders die spezielle Atmosphäre im M.G.S.: Quatschen, rauchen, schminken, Sound hören ist nicht nur erlaubt - Cornelia freut sich, wenn ihr Laden zum Treffpunkt wird. Als Hausfrau und Mutter war es wohl oft nicht einfach, nebenher auch noch das M.G.S. zu führen. Deshalb ensteht jetzt neben ihrem Laden das Atelier "Frauenpower". Cornelia möchte auch anderen Frauen den Mut geben, sich zu verwirklichen. Der Raum steht jeder Art von Kreativität offen, Interessierte sollen sich melden! Zum Schluss meint Cornelia: ich Millionärin wäre, würde ich auf dem Selve-Areal aufbauen, was ich auf dem "Kensington Place" in London gesehen habe. Dort muss es ein Gebäude geben, in dem Technoide, Grufties, Hippies, usw. sich zu einem riesigen Komplex aus Läden, Coiffeur-Salons, Kaffees und Tatoo- oder Piercing-Anbietern zusammengeschlossen haben. Wäre doch echt nicht schlecht, wenn diese Idee um sich greifen würde, und kleine, stilvolle Läden mit Atmosphäre, die Alternative zu Massenware verteibenden Grosskonzernen bilden könnten...


DJ-Special
    Energy/Streetparade 1996

    "Die einen tanzten und liebten sich selbst, die anderen staunten" schrieb Peter Haerle im Tagesanzeiger. Ich habe mich bereits die vergangenen zwei Jahre bereit erklärt, eine Kolumne zum Zürcher Partywochenende zu schreiben und da bin ich auch schon wieder und langsam läuft die Streetparade dem Sechseläuten den Rang ab, das heisst allerdings auch, dass die Parade sich langsam in das Stadtbild integriert hat.

    Mann/Frau, Alt/Jung geht hin, macht mit oder, viel wichtiger, schaut zu, denn wer will sich selbst darstellen, wenn niemand zuschaut? Natürlich ist es auch falsch, "Zürich war noch nie so exhibitionistisch" zu schreiben, denn Zürich (natürlich könnte hier auch Bern oder Berlin oder London oder, oder stehen) war nie so sensationsgeil! Aber Revolutionen werden gross und gehen an ihrer Grösse zugrunde. Keine Sensationen also. Dass das freundlich-dumpfe, allseitsbekannte Boulevardblatt, welches noch vor etwa zwei Jahren mit Überschriften wie "Hunderte von Hip-Hopern tanzten in Zürichs Strassen" über die Streetparade Bericht erstattete, nicht selber einen Wagen dabei hatten, stimmt mich aber dann doch recht glücklich. Wer jetzt aber meint, dass der Raver akzeptiert wurde, schneidet sich allerdings recht heftig, schliesslich und endlich ist es das Marktpotential, mit welchem man sich als Konzern noch so gerne auseinandersetzt. Das Wetter war gut, die Stimmung auch, die Musik war scheisse. Insgesamt überquerten etwa 25 Wagen die "Brücke am Quai" und beschallten die Umgebung vorwiegend mit Türsteherclub-Happy-House oder mit allen erdenklichen Trancerichtungen. Mr. C von The Shamen zeigte seine Zahnlücke glücklich smilend auf einem dieser Trancewagen. Wirkliche Höhepunkte trotz der unzureichenden Sound- Systems waren die zwei Jungle-Mobiles aus dem Westen (United Tribes aus Bern und Vinyl Records aus Vevey). Comin' Fresh ina 9t6! Die Kaufkraft der Jungen ist mit einer Veranstaltung natürlich noch nicht ausgereizt und die 70.- Sfr. für das Energy'96 wurden von mindestens 20000 Besuchern bezahlt. An der Energy-Pressekonferenz wurde die geschätzte Paraden-Teilnehmerzahl von 350000 bekanntgegeben. Wenn ich die Zahl auch etwas übertrieben finde, denke ich trotzdem, dass sich Zürich durch solch berechenbare Menschenfluten eine goldene Nase verdient und die nächste Parade ist schon so gut wie bewilligt. Gebt mir eine Kotztüte und liebt euch weiter. Aber zurück zur Energy und nur mal so die wichtigsten Punkte, das heisst ich gehe eben mal gar nicht gross auf die Haupthalle ein. Irgendwie war's dort auch ziemlich leise, zum Glück. Hit des Abends war Insomnia von Faithless. Sic! Die Electric Science-Halle war erstaunlich voll mit netten Leuten und das erste Mal ordentlich beschallt. Highlights waren Jeff Mills, der mit 3 Plattenspielern und einer Roland 909 Meisterstücke vollbrachte, ein etwas missglückter Live-Auftritt von Robert Hood, ein weiteres Live-Set von Green Velvet aka Cajmere und abschliessend zwischen 07.00 und 08.00 Uhr noch ein fehlerfreies Set von Tek Jam in nahezu voller Halle. Im House-Tunnel zwischen 03.30 und 04.30 war Herbert Matthew aka Dr. Rockit als DJ für eine Stunde von frischestem House verantwortlich = Definitiver Höhepunkt! Merkt euch den Namen und wartet, bis ihr ihn auf einem Mokka-Flyer wiederentdeckt. Der Jungle-Floor war nicht so leicht zu finden. Mit Kemistry & Storm, Alex Reece und A Guy Called Gerald inkl. MC's aber ebenfalls bestens bestückt und auch der einzige Raum der Deko-mässig etwas hergeben konnte. Alles in allem ist dieses Wochenende nicht unbedingt in Zürich zu verbringen und ich merke, dass ich hier besser über die Lethargy, das im alternativen Kulturzentrum "Rote Fabrik" stattfindende Festival, geschrieben hätte, aber wenn interessiert das schon... Slab in the Face! Übrigens: Zürichs Stadträtin Monika Stocker meinte am Sonntag im Fernsehen, sie könne die Jungen also recht gut verstehen. Also ihr Jungen und Junggebliebenen, spassige Sache und so!!



    von DJ-Spectron / Fotos: Cristina Alberghina

Diverses
    News

    Noch fünf Jahre Selve-Partys? - In der letzten Ausgabe der SELVE haben wir berichtet, die Marti AG wolle ab Mai 1997 das Selve-Areal niederreissen und gemäss Überbauungsordnung mit Bauen beginnen. Voraussetzung ist allerdings, dass ein Dagobert Duck kommt, der dies auch finanziert. Kurz vor Redaktionsschluss teilte uns Matthias Liniger von der Marti Hausverwaltungen AG mit, es werde zurzeit geprüft, mit den bisherigen Mietern Fünf-Jahres-Verträge abzuschliessen, was allerdings mit individuellen Mietzinserhöhungen verknüpft wäre. Parallel dazu wird die Marti AG weiterhin einen oder mehrere Dagobert Ducks suchen; ihr Ziel ist nach wie vor, bauen zu können. Möglich wären gewisse Teilabbrüche auf der Aareseite, so dass zumindest der Park realisiert würde. - Werden Fünf-Jahres-Verträge abgeschlossen? Gehen die Selve-Partys weiter? Lest dazu die nächste Ausgabe der SELVE!Die Villa Wahnsinn wird ab September unter neuer Leitung weitergeführt. Die Redaktion wünscht Jeannette und Didier viel Erfolg und Spass im verrücktesten Haus am Platz.



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Thomas Weber